Tessa & Mara · Zehn Minuten im Plattenladen
Ich wollte nur
kurz reinhören.
Ein vertrautes Lied. Eine zweite Seite. Und ein Kaffee, der warten muss.
Fiktive Geschichte · Mara als Erzählfigur. Das bereits veröffentlichte KI-Stilbild aus dem Plattenladen begleitet die Szene; es dokumentiert kein reales Erlebnis und zeigt nicht exakt die beschriebene Kleidung.

„Zehn Minuten“, sagte Tessa.
Ich sah auf die Uhr. „Soll ich mitstoppen?“
„Du könntest auch einfach angenehm sein.“
Über der Tür hing eine kleine Glocke. Tessa schob sie auf, hielt sie mir mit dem Fuß offen und blieb gleich hinter dem Eingang stehen.
Aus den Lautsprechern kam ein Klavier. Dann eine raue Frauenstimme.
„Oh“, sagte sie.
Der Mann hinter dem Tresen hob den Blick. „Guten Morgen.“
Tessa grüßte, hörte aber schon wieder zu. Ihre Hand lag noch am Taschenriemen. Der bordeauxfarbene Ärmel war ein Stück hochgerutscht; sie zog ihn herunter, ohne den Blick vom Plattenspieler zu nehmen.
„Kennst du das?“, fragte ich.
„Ich glaube.“
Sie ging zu einer Kiste mit der Aufschrift SOUL / JAZZ / MANCHMAL SCHWIERIG.
„Das letzte Fach könnte für dich sein“, sagte ich.
Sie sah mich kurz an. Dann begann sie, die Hüllen durchzublättern.
Beim Refrain hielt sie inne.
„Ja. Das kenne ich.“
„Titel?“
„Kommt gleich.“
Der Mann hinter dem Tresen lächelte auf eine Weise, die vermuten ließ, dass er diesen Satz beruflich oft hörte.
Tessa legte den Kopf schräg. Ihre Lippen bewegten sich lautlos mit. Eine Zeile gelang ihr offenbar, denn sie nickte zufrieden.
Bei der nächsten zog sie die Augenbrauen zusammen.
„Die singt das anders, als ich es in Erinnerung habe.“
„Vielleicht hat sie es falsch gelernt“, sagte ich.
„Endlich jemand, der die Möglichkeit berücksichtigt.“
Der Mann lachte.
Tessa zog eine Platte aus der Kiste, betrachtete das Cover und drehte es um. Als das Stück endete, war sie mit der Rückseite noch nicht fertig.
Ein leises Knacken. Der nächste Titel begann.
Sie sah auf.
„Das ist dieselbe Platte?“
„Die ganze erste Seite ist gut“, sagte der Mann.
Ich nahm mein Telefon heraus.
„Was machst du?“
„Die zehn Minuten neu bewerten.“
Tessa hängte ihre Tasche über den Arm und ging zum Tresen.
„Darf ich die Hülle mal sehen?“
Er reichte sie ihr. Sie studierte die Titelliste, strich mit dem Daumen über eine leicht bestoßene Ecke und fragte nach der Aufnahme. Er erzählte. Tessa hörte zu, stellte eine zweite Frage und vergaß dabei vollständig, dass ich noch neben der Soulkiste stand.
Ich fand einen schmalen Hocker am Fenster.
Draußen zog eine Frau ihren Hund an der Tür vorbei. Der Hund wollte hinein. Ich verstand ihn.
Nach einer Weile kam Tessa zu mir. Sie hielt die Platte vor sich.
„Nur damit du es weißt: Ich überlege noch.“
„Natürlich.“
„Ich kaufe nicht wegen eines einzigen Liedes eine ganze Platte.“
Aus den Lautsprechern setzte ein Bass ein.
Tessa sah zum Tresen.
Der Mann hob zwei Finger. „Seite zwei.“
Sie blieb stehen.
Ich rückte auf dem Hocker ein Stück zur Seite, obwohl dort unmöglich zwei Menschen Platz hatten.
„Möchtest du dich wenigstens setzen?“
„Nein.“
Ihr rechter Fuß begann, kaum merklich den Takt zu halten.
„Du könntest die Tasche abstellen.“
„Wir gehen gleich.“
Beim dritten Stück der zweiten Seite lag ihre Tasche auf dem Boden.
Beim vierten hatte sie den Mantel aufgeknöpft.
Als die Nadel schließlich in der Auslaufrille angekommen war, wurde es überraschend still.
Tessa nahm die Tasche wieder auf und ging zum Tresen.
„Die hier bitte.“
Der Mann zog eine Papiertüte hervor.
„Sonst noch etwas?“
„Nein“, sagte sie bestimmt.
Er nickte und schob die Platte hinein.
Dann fügte er hinzu: „Von der Sängerin ist gestern noch eine andere reingekommen.“
Tessa schloss kurz die Augen.
Ich stand auf.
„Ich gehe schon mal Kaffee holen.“
Sie drehte sich zu mir. „Wir haben doch noch welchen im Büro.“
„Der hatte heute Morgen noch Hoffnung.“
Draußen klingelte die Tür hinter mir. Durch die Scheibe sah ich, wie der Mann eine zweite Platte auf den Tresen legte.
Tessa stellte ihre Tasche wieder ab.
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