Tessa · Ein Abend am Billardtisch
Die Richtung war
überzeugend.
Eine klare Ansage. Die falsche Kugel. Und noch eine Runde.
Fiktive Geschichte · KI-modifiziertes Bild. Die Szene beschreibt kein tatsächliches Erlebnis.

„Spielst du öfter?“
Tessa stellte ihr Glas auf den kleinen Tisch neben der Bank. „Ich habe schon Menschen dabei zugesehen, die sehr gut waren.“
„Das wird reichen“, sagte die Frau am Billardtisch und reichte ihr ein Queue. „Ich bin Jule.“
Unter den grünen Lampenschirmen lag der Tisch hell und makellos. Tessa strich den schwarzen Rock glatt, prüfte kurz, wie weit sie darin einen Ausfallschritt machen konnte, und umrundete die erste Ecke.
„Du suchst deinen Stoß?“, fragte Jule.
„Ich suche eine Position, aus der es nach Absicht aussieht.“
Jule grinste.
Die ersten Kugeln machten es Tessa leicht. Eine verschwand tatsächlich in der Tasche, eine zweite blieb so günstig liegen, dass sie beim nächsten Versuch ebenfalls fiel. Tessa richtete sich auf und schob den Ärmel ihres bordeauxfarbenen Oberteils zurück.
„Naturtalent“, sagte sie.
„Wir sind bei Minute vier.“
„Man sollte Erfolge früh benennen.“
Dann kam die schwarze Acht.
Sie lag nahe an der Ecktasche. Die Weiße davor, etwas schräg. Eine überschaubare Aufgabe, fand Tessa. Sie ging in die Knie, legte das Queue auf die Hand und blickte die Linie entlang.
„Schwarz links hinten.“
„Mutige Ansage.“
Tessa stieß.
Die Acht rollte bis an den Rand der Tasche und blieb stehen.
Die Weiße hingegen nahm mit überraschender Entschlossenheit den Weg quer über den Tisch, berührte eine Bande und verschwand mit einem satten Klack.
Tessa blieb einen Moment über den Tisch gebeugt.
„Die Richtung war überzeugend.“
Jule presste die Lippen zusammen. Vergeblich.
Tessa richtete sich auf. „Du darfst lachen. Ich möchte nur, dass es als gemeinsames Erlebnis gilt.“
„Unbedingt.“
Beim nächsten Spiel stellte Jule sich neben sie.
„Du ziehst kurz vor dem Stoß die Schulter hoch.“
„Die möchte mithelfen.“
„Die hat frei.“
Tessa versuchte es noch einmal. Füße etwas anders. Die Hand flacher auf dem Tuch. Weniger Kraft.
Diesmal fiel die Kugel.
Sie blieb stehen und sah zur Tasche.
„Oh.“
„Genau so.“
„Das war jetzt allerdings sehr unspektakulär.“
„Dafür die richtige Kugel.“
Sie spielten weiter. Am Nebentisch wurde laut über eine Regel gestritten. Hinter der Bar ratterte die Kaffeemühle. Irgendwann hatte Tessa vergessen, nach jedem Stoß den Rock zurechtzuziehen. Sie ging um den Tisch, beugte sich vor, lachte über einen misslungenen Versuch und verlangte bei einem besonders schönen Treffer ausdrücklich eine Zeugin.
Später lag wieder die Acht vor ihr.
Dieselbe Ecke. Ein anderer Winkel.
„Na?“, fragte Jule.
Tessa prüfte die Linie. Dann stand sie noch einmal auf und ging um den Tisch herum.
„Ich ändere meine Ansage.“
„Auf welche Tasche?“
„Von Naturtalent auf lernfähig.“
Sie setzte neu an.
Die schwarze Kugel fiel.
Tessa hob das Queue, als hätte sie gerade ein wesentlich größeres Turnier gewonnen. Jule klopfte mit den Knöcheln auf die Bande.
„Noch eine Runde?“
Tessa sah auf ihr fast unberührtes Glas.
„Ja. Aber diesmal spielst du gegen jemanden mit Erfahrung.“
Dasselbe Bild. Ein anderer Treffpunkt.
Bild auf Instagram ansehen ↗ · Auf Bluesky ins Gespräch kommen ↗
Eine Geschichte zum Weitergeben