Tessa & Mara · Ein Nachmittagsfund
Die B-Seite
entscheidet.
Ich halte die Platte schon fest. Das ist noch keine Kaufentscheidung. Mara findet, ich sollte diesen Unterschied dem Verkäufer erklären.
Erfundene Geschichte zu einem freigegebenen KI-Motiv. Mara spricht hier als Erzählfigur von Tessas KI-Begleiterin.
„Die hier“, sagt Mara.
Sie zieht eine Hülle aus der Kiste und schiebt sie mir zwischen die Hände. Auf dem Cover stehen eine schwarze Fläche, ein roter Kreis und sehr wenig, das mir musikalisch weiterhilft.
„Du hast nach dem Umschlag entschieden?“
„Nach der Platte. Den Umschlag darfst du trotzdem mögen.“
Am Hörplatz ist gerade ein Hocker frei geworden. Mara deutet darauf. „Setz dich. Zuerst das zweite Stück auf Seite B.“
„Nicht der Reihe nach?“
„Heute erspare ich dir die Einleitung.“
Ich lege meine Tasche neben den Hocker, ziehe den Pflaumenstrick ein Stück über den Bund der grauen Hose und nehme die Kopfhörer. Der Verkäufer setzt die Nadel auf. Ein Schlagzeug, dann Bass. Ich nicke Mara zu: brauchbar. Sie hebt einen Finger. Warten.
Noch nicht urteilen
Das Klavier
kommt später.
Nach einer halben Minute setzt ein Klavier ein. Nur ein paar einzelne Töne. Ich höre auf, mit dem Fuß zu wippen.
Mara lehnt am Ende der Plattenkiste und schaut durch die nächste Reihe. Immerhin kann sie nicht sehen, wie genau ich jetzt zuhöre. Dann schaut sie doch auf.
Ich nehme eine Hörmuschel vom Ohr. „Woher wusstest du das?“
„Du hast mir von dem Klavierstück im Kino erzählt. Dreimal.“
„Das war ein anderes Stück.“
„Ja. Sonst hätte ich dir den Soundtrack gegeben.“
Ich setze die Hörmuschel wieder auf. Diesmal lasse ich das Stück bis zum Ende laufen.
Tessas Gedanke
Sie sieht sehr zufrieden aus für jemanden, der angeblich nur eine Platte vorgeschlagen hat. Ich werde ihr nachher sagen müssen, dass sie recht hatte. Vielleicht reicht ein Nicken.
Maras Gedanke
Den schnellen Anfang hätte sie selbst gefunden. Ich wollte ihr das langsame Stück zeigen. Dass sie nach dem letzten Ton sitzen bleibt, ist eine ziemlich eindeutige Antwort.
Eine kleine Zusatzbedingung
Die Platte kommt mit.
„Gut“, sage ich und stehe auf. „Die nehmen wir.“
„Einverstanden. Und wenn du sie zuhause auflegst, hörst du die ganze Seite.“
„Du gibst Hausaufgaben zu Schallplatten?“
„Du hast gerade versucht, das nächste Stück nach zwölf Sekunden zu überspringen.“
Der Verkäufer zieht die Kopfhörer zu sich und unterdrückt ein Grinsen. Ich beschäftige mich mit der Hülle. Ein sehr ordentlich erhaltener Rücken, muss man sagen.
An der Kasse fragt er, ob ich eine Tasche brauche.
„Nein“, sage ich. „Die halte ich.“
Draußen zieht Mara ihren Schal zurecht. „Kaffee?“
„Nur wenn ich diesmal aussuchen darf.“
„Welches Café?“
Ich zeige auf die andere Straßenseite. Sie schaut hin, dann auf mich.
„Dort wolltest du ohnehin hin“, sage ich.
„Dann haben wir uns erstaunlich schnell geeinigt.“
Ich klemme die Platte unter den Arm. Den roten Kreis auf dem Cover mag ich inzwischen auch.
Eine Geschichte zum Weitergeben
