Tessa Maren

Tessa & Mara · Vor dem ersten Klingeln

Die Pause
vor dem Applaus.

Wir sind früh dran. Mara findet das praktisch. Ich finde, man sollte aus dieser ungewöhnlichen Situation etwas machen.

Eine fiktive Geschichte mit KI-generiertem Bild. Mara ist hier die Erzählfigur von Tessas KI-Begleiterin.

KI-generierte Foyerszene: Tessa mit silbergrauem Kurzhaar trägt einen elfenbeinfarbenen Blazer, ein marineblaues Oberteil, eine bordeauxfarbene Hose und cognacfarbene Schuhe. Über dem Arm liegt eine dunkle Jacke.
Elfenbein · Marine · Bordeaux. Ein warmer Akzent in Cognac.

„Noch zwölf Minuten“, sagt Mara.

Ich bleibe am Geländer stehen. Auf der anderen Seite des Foyers streicht eine Frau mit dem Finger über ihren Programmzettel. An der Bar stellt jemand Gläser in einer Reihe auf. Niemand muss sich schon beeilen.

„Dann könnten wir etwas trinken.“

„Wolltest du nicht erst wissen, worum es geht?“

Ich halte das Programm hoch. „Ich kann beides.“

„Beim Gehen hattest du gerade Schwierigkeiten mit Seite drei.“

Das lag am Falten. Nicht am Lesen. Ich lege die dunkle Jacke anders über meinen Arm und klappe den Bogen ganz auf.

„Hier. Achtzig Minuten. Ohne Pause.“

Mara schaut zur Bar. „Dann sollten wir die Pause wohl jetzt machen.“

Ein kleiner Vorsprung

Heute wartet
der Saal auf uns.

Wir bestellen zwei kleine Gläser Wasser. Den Programmzettel lege ich zwischen uns auf den Stehtisch. Unter der Besetzung steht ein kurzer Text, den ich tatsächlich zu Ende lesen möchte.

„Gib mir zwei Minuten“, sage ich.

Mara nickt. Sie betrachtet die Menschen an der Treppe. Ich lese.

Es geht um zwei Schwestern und einen Brief, den beide längst hätten öffnen können. Mehr verrät der Text nicht. Ich drehe das Blatt um. Dort steht eine Anzeige für Flügeltransporte.

„Und?“, fragt Mara.

„Ich würde den Brief aufmachen.“

„Dann wären wir in sieben Minuten wieder draußen.“

„Gut, dass sie mich nicht gefragt haben.“

Das erste Klingeln unterbricht uns. Ringsum setzen sich Menschen in Bewegung. Ich trinke mein Glas aus, falte das Programm ordentlich zusammen und bleibe noch einen Moment stehen. Die Hose fällt glatt, der helle Blazer liegt offen. Meine Jacke rutscht ein Stück; ich fange sie mit dem Unterarm auf.

„Garderobe“, sagt Mara und deutet hinter mich.

„Sehr guter Einfall. Du solltest öfter mitkommen.“

„Ich habe die Karten ausgesucht.“

„Auch das war hilfreich.“

Tessas Gedanke

Normalerweise lese ich den Einführungstext hinterher. Dann verstehe ich wenigstens, was ich hätte wissen sollen. Heute bin ich neugierig, ob mir der Vorsprung gefällt.

Maras Gedanke

Zwei Minuten wollte sie lesen. Ich lasse sie lesen. Dass wir rechtzeitig da sind, muss nicht bedeuten, dass ich die ganze Zeit einen neuen Vorschlag mache.

Kurz bevor es dunkel wird

Den Brief
lassen wir zu.

Unsere Plätze liegen in Reihe sieben. Mara lässt mir den Platz am Gang. Ich schiebe meine Tasche unter den Sitz und lege das Programm auf die Knie.

„Du wirst ihn doch nicht während der Vorstellung aufklappen?“, flüstert sie.

„Nur wenn ich wissen muss, wer den Flügel transportiert hat.“

Sie lacht leise. Dann wird das Licht schwächer.

Auf der Bühne steht ein Tisch. Darauf ein Brief. Die erste Schwester kommt herein, legt ihre Hand auf den Umschlag und nimmt sie wieder weg.

Neben mir bewegt Mara kaum merklich den Kopf in meine Richtung.

Ich schaue weiter nach vorn. Das Programm bleibt geschlossen.

Wir haben Zeit.

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